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Ist Hafer glutenfrei?

Eine einfache Frage, deren Antwort leider etwas komplizierter ist.

Enthält “reiner” Hafer Gluten?

Hier kommt das erste Jein: Vereinfacht ausgedrückt, scheinen die Eiweißbestandteile des Hafers nicht im gleichen Umfang für Zöliakiebetroffenene schädlich zu sein, wie die Eiweißbestandteile bekannter glutenhaltiger Getreidesorten. Deswegen sind die üblichen Nachweise des Glutens, die eben auf diese Eiweißbestandteile reagieren, nur bedingt geeignet Gluten nachzuweisen. Hafer enthält diese Eiweißbestandteile aber in geringerem Maß. (ca. 25% soviel wie in Weizen).

Wie erfolgt beim Hafer der Nachweis auf Glutenfreiheit?

Der Nachweis auf Gluten erfolgt beim Hafer mit Hilfe wissenschaftlicher Studien. Es gibt ca. 15 Studien, welche die Toxizität von Hafer bei Zöliakie untersucht haben. In diesen Studien werden Zöliakie-Patienten Haferproben oder Placebos zum Verzehr verabreicht. Anhand der körperlichen Reaktionen der entsprechenden Gruppe, kann dann eine Aussage über die Toxizität getroffen werden. Ca. die Hälfte der Studien hat den Verzehr von Hafer empfohlen, während die andere Hälfte der Studien davon abrät. Das zweite Jein also.

Warum gibt es so unterschiedliche Ergebnisse in den Studien?

Dies ist schwer zu sagen. Bei vielen Studien war die Quote der Studien-Abbrecher hoch. So werfen Kritiker den Pro-Hafer Studien vor, diese Studien-Abbrecher nicht nachverfolgt zu haben. Andere Kritiker werfen den Kontra- Studien vor, dass diese ja fast ausschließlich aus dem Süden Europas kommen. Dort gibt es Hersteller, die seit jeher Produkte ohne Hafer (+ glutenfreie Weizenstärke) herstellen. In Nordeuropa gibt es wiederum eher Hersteller, die diese Zutaten verwenden. Komisch ist also, dass es im Norden entsprechend eher Pro-Hafer-Studien gibt. So gibt es ein Nord-Süd-Gefälle, in dessen Mitte sich Deutschland befindet. Selbst in Deutschland kann man dieses Nord-Süd-Gefälle beobachten. Ausnahmen bestätigen die Regel: Auch aus Norwegen gibt es bereits Kontra-Studien. An dem zweiten Jein ist also nicht zu rütteln. ;-)

Wie ist es rechtlich? Darf ein Hersteller Haferprodukte als glutenfrei verkaufen?

Laut dem neuen Codex Alimentarius Standard ist es erlaubt, auch Produkte mit Hafer glutenfrei zu benennen, wenn diese den Grenzwert von 20ppm einhalten. Dies muss in Analysen nachgewiesen werden. Diese Produkte müssen allerdings nicht komplett aus Hafer bestehen. Es können auch Hafer und andere Zutaten gemischt werden. Dies ist unserer Meinung nach aber kritisch, da der verwendete Test ja eben nicht auf die Eiweißbestandteile des Hafers anspricht, sondern auf die Eiweißbestandteile von Weizen ausgelegt ist. Das in diesen Tests also eine Toxizität nicht nachgewiesen werden kann ist nicht verwunderlich, da Hafer diese Bestandteile nur zu 25% enthält. (siehe erster Abschnitt)

Was sagt die Deutsche-Zöliakie-Gesellschaft?

Die DZG befürwortet den Verzehr von Hafer nicht, empfiehlt aber Zölikie-Betroffenen, die trotzdem Hafer essen möchten, nicht mehr als 50g pro Tag zu essen und dies nur unter ärztlicher Aufsicht. Wichtig ist, dass dies speziell angebauter und verarbeiteter Hafer sein muss, um Kontaminationen mit anderen Getreiden zu vermeiden. In Skandinavien wird dies über Felder geregelt, die in Mitten von Wäldern und fernab anderer Felder bestellt werden. Es müssen spezielle Erntemaschinen, Mühlen Verpackungsmaschinen etc. hierfür verwendet werden. Auf keinen Fall darf herkömmlicher Hafer verzehrt werden, da dieser kontaminiert sein kann.

Wird QUERFOOD glutenfrei leben Hafer-Produkte listen?

Jein! Querfood wird im Sinne einer sicheren glutenfreien Ernährung vorerst keine Haferprodukte listen. Haferprodukte im Sinne des oben erwähnten neuen Codex Alimentarius, sind uns auch (noch) nicht bekannt. Wir haben bereits Muster von “sauberem” Hafer und auch von Haferkeksen verkostet. Inwieweit diese aber dem neuen Codex entsprechen ist noch unklar.

Fazit
:

Sozusagen ein Doppel-Jein ;-) Reinen Hafer an sich kann man vermutlich als Glutenfrei bezeichnen. Auch dies ist aber abschließend nicht geklärt. Auch wissenschaftliche Studien konnten bisher keine eindeutige Empfehlung geben. Durch die hohen Kontaminationsrisiken darf aber auf keinen Fall normaler Hafer verzehrt werden.

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Update 09.06.2010:

Aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach glutenfreien Haferprodukten und vielen persönlichen Gesprächen z.B. auf Messen und in unserem Lagerverkauf, haben wir uns nun entschlossen, Haferprodukte die speziell glutenfrei angebaut und hergestellt werden, zu listen.

Alle diese Artikel sind deutlich gekennzeichnet, so dass auch Neubetroffenen sich erst eine eigene Meinung zu diesem Thema bilden können. Den Anfang machen wir mit dem glutenfreien Hafermehl und verschiedenen Haferbreien von Provena.

Weitere wie Produkte wie Haferknäcke, Haferkekse etc. werden folgen.

18 Kommentare zu „Ist Hafer glutenfrei?“

  • Odette Brack sagt:

    Finde ich sehr sehr gut, dass Sie vorerst Hafer NICHT verkaufen, leider sind wir auf Nummer Sicher angewiesen beim Essen, schon so ist es schwierig genug….

    Danke für Ihr Nein!

    Odette Brack

  • Günter sagt:

    Liebes Querfood-Team,
    vielen Dank für die interessanten und sehr fundierten Artikel. Ich werde in Zukunft öfters vorbeischauen.
    Viele Grüße aus München

  • Martin sagt:

    Liebes Querfood Team,

    bin kürzlich über die Hafer Produkte von Provena gestolpert.
    Heißt das nur es werden nun doch Produkte die Hafer enthalten auf querfood gelistet???
    welche weitern produkte gibt es

  • admin sagt:

    Hallo Martin,

    ja, wir werden zukünftig speziell glutenfrei hergestellte Haferprodukte (s.o.) listen, diese aber speziell kennzeichnen und von dort auf diesesn Blog Artikel verweisen, damit auch Neubetroffene, sich erst über das Thema “Ist Hafer glutenfrei?” informieren können.

  • Beatrice sagt:

    Liebes Querfood Team,
    bei meinem Urlaub vor drei Jahren in Helsinki bin ich auf die Provena Haferprodukte gestoßen und habe mich für zu Hause bevorratet. Natürlich habe ich mich international “schlau gemacht”, ob ich als Zöli diese Produkte überhaupt essen darf und bin für mich zu dem Entschluss gekommen, dass aufgrund der speziellen, reinen Anbauweise dieser geeigneten Sorte und der genauen Kontrollen durch Provena ich davon ausgehen kann, dass es gut geht. Bisher hatte ich keinerlei Beschwerden - mein Körper gibt mir bei dem kleinsten Fehler sofort eine Rückmeldung. Ich finde es toll, dass es diese Haferflocken jetzt auch bei Querfood zu kaufen gibt.

  • Sanibel sagt:

    Hallo zusammen,

    ich finde das Anbieten dieser Haferprodukte aeusserst zweifelhaft, wenn noch immer die entsprechenden definitiven Auswertungen fehlen.
    Moechte nun jemand, der ‘frisch erkrankt’ ist und sich noch ueberhaupt nicht mit der Materie auskennt bei Euch bestellen, kann er ja durchaus auf die Nase fallen, wenn er sehr sensibel auf die minimalste Menge Gluten (auch unter dem Grenzwert von 20ppm) reagiert.
    Euer Onlineshop muss vertrauenserweckend fuer den Verbraucher sein. Diese Glaubwuerdigkeit verliert Ihr meiner Meinung nach, wenn Ihr Euch erst dafuer entscheidet ‘im Sinne einer sicheren glutenfreien Ernaehrung’ keine Haferprodukte anzubieten und das dann doch tut.
    Auch die Hinweise auf die Meinung der DZG und den Blog machen das ganze in meinen Augen nicht besser. Entweder 100% glutenfrei oder gar nicht…
    Ich habe seit 7 Jahren Zoeliakie und war am Anfang auch mehr als ueberfordert und unbeholfen. Das Angebot der Haferprodukte erweckt beim Konsumenten ggf. den Eindruck, dass ’so ein bisschen Gluten hier und da’ sicher nicht so wild ist..

    Gruesse aus Stuttgart

  • admin sagt:

    Hallo Sarah,

    wir wissen natürlich, dass Hafer ein komplexes Thema bei glutenfreier Ernährung ist. Wir haben uns die Entscheidung, Hafer zu listen, nicht leicht gemacht. Die guten Erfahrungsberichte von vielen Kunden aus Skandinavien und auch von unseren Testessern bei uns im Haus (Bei uns arbeiten 5 Betroffene, bzw. Eltern Betroffener) haben uns ermutigt (ausschließlich) gesichert glutenfrei getestete Haferprodukte nun doch zu listen. Das “Restrisiko” ist hier unserer Meinung nach sehr überschaubar. Selbst sehr aktive Ortsgruppenleiter der DZG haben uns immer wieder darauf angesprochen und nachgefragt.

    Weiterhin weisen wir bei den Artikel ausdrücklich auf die Besonderheiten des Hafers hin. Die Entscheidung, ob und wann Hafer verzehrt wird, dürfen wir unserer Meinung nach dem mündigen Konsumenten auch nicht abnehmen.

    Wir nehmen Ihren Hinweis aber natürlich Ernst. Damit Neubetroffene keine “Ernährungsfehler” machen können, werden wir unseren Allergenfilter erweitern und somit die Möglichkeit schaffen, hier vorzubeugen. (Bei Neuanlegen eines Kunden-Kontos in unserem Shop ist Hafer zukünftig als Allergen markiert) Dies ist in Arbeit.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar!

    Viele Grüße!

    Ax

  • Tosca sagt:

    Wir haben für unsere Tochter (6 Jahre) die glutenfreien Haferflocken ausprobiert und es ging leider gar nicht gut.
    Nach 2 jähriger absolut glutenfreier Ernährung, war die Wirkung des glutenfreien Hafers fatal. Die Symptome waren, wir vor Feststellung der Unverträglichkeit. Wir können daher die Haferprodukte für Zölis nicht empfehlen. Schade!

  • Dagmar sagt:

    Seit einigen Tagen geht es mir auf einmal sehr schlecht, obwohl ich mir keines Ernährungsfehlers bewußt war - bis ich heute morgen wieder die glutenfreien Haferflocken (Bezug über Querfood) als Müslibeimischung essen wollte. Nun glaube ich zu wissen, woran es liegt - ich werde sie auf jeden Fall weglassen und hoffen, daß die elenden Syptome in den nächsten Tagen wieder verschwinden.

  • admin sagt:

    Aktueller Stand 31.01.2011:

    Wir haben nun seit ca 7 Monate Haferprodukte im Sortiment und seitdem ca. 10 negative Erfahrungsberichte bzgl. Hafer erhalten. Positive Rückmeldungen werden naturgemäß weniger an uns herangetragen. Aber auch dies geschieht. Wir haben auch viele Kunden, die regelmäßig Hafer kaufen und anscheindend keine Probleme haben. Wir denken, die Entscheidung Hafer zu essen oder nicht, muss, ähnlich wie bei der glutenfreien Weizenstärke oder Produkten mir der Aufschrift “Kann Spuren von Gluten enthalten” weiterhin jeder für sich selbst treffen. Sie sollten auf jeden Fall die Empfehlung der DZG von nicht mehr als 50g Hafer pro Tag beachten.

  • Edeltraud Berger sagt:

    Bei mir ging es leider auch nicht gut. 50gr. waren zuviel, dann mal mit 30 gr. ausprobiert und lag auch danieder, auf keiner Fall wieder glutenfreien Hafer

  • In meiner Autsildung hieß es vor rund 17 Jahren, das Hafer “praktisch glutenfrei” sei. Das Hauptübel am Hafer wäre die Kontamination bei Anbau, Ernte, Verarbeitung und Verpackung. Biologisch sollte es so aussehen, das die Dosis an Gluten “nicht erwähnenswert” sei.

    Ich habe es selbst schon ausprobiert und war begeistert, mal wieder etwas anderes zu essen und verspürte auch einen gewissen Energieschub.

    Da ich die Haferprodukte von Semper jedoch nur aus Schweden bekam, fielen sie wieder unter den Tisch, vor allem da ich nicht nur die Zöliakie, sondern auch einen Haufen Allergien habe.

    In meiner Praxis (Zöliakie- und Allergieberatung) halte ich es so, das ich nach der Empfindlichkeit (Individuallität) jedes Einzelnen gehe. Was “A” verträgt, muss “B” nicht gleich gut tun. Evtl. liegt auch eine Typ 2 Allergie ( Ig-G ), bei der ähnliche Reaktionen auftreten können.

    So wird es auch mit dem “praktisch glutenfrei” beim Hafer sein. Mann sollte daher den Hafer nicht verfluchen. Es gibt bestimmt, so wie es Admin schrieb, viele Leute, die Hafer vertragen, jedoch keinen Kommentar abgeben.

    Seit froh, wenn Ihr noch alle Reis, Mais, Hirse, Buchweizen und co. essen könnt. Damit seit Ihr noch alle super gut dran.

  • Marion sagt:

    Wir sind “neu betroffen”. Will sagen: Die Darm-Biopsie ist jetzt gerade 8 Tage her. Mein Feedback zu dem Thema: Ich hab keine Ahnung ob meine Tochter “sicher” angebauten Hafer vertragen würde. Ich kann also nichts dazu sagen ob wir das Produkt befürworten oder nicht. ABER ich kann folgendes sagen: Ich bin ein MÜNDIGER Verbraucher. Nur weil Menschen “neu betroffen” sind, sind sie doch nicht blöd!

    Die Informationen sind verfügbar und nicht schwer zu finden - auch neu Betroffene können sich doch selbständig eine Meinung bilden! Ein Produkt das für einige Leute in Frage kommt nichtzu listen, weil man befürchtet, dass Neueinsteiger nicht in der Lage oder Willens sind sich anständig zu informieren, finde ich fragwürdig.

    Wer Zöliakie hat oder eine Person betreut oder pflegt die davon betroffen ist, der MUSS sich informieren. Das ist eine Grundvoraussetzung. Leuten diese Aufgabe abzunehmen indem man ihnen die Entscheidung über diskussionswürdige Produkte abnimmt ist schlicht und ergreifend überfürsorglichkeit, wenn nicht gar Bevormundung.

    Solange Hafer deutlich ausgewiesen und die Herkunft eindeutig geklärt ist, sehe ich da auch für Neubetroffene kein Problem. Ernährungsberatung, DZG und Internet geben einem da ja schon in den allerersten Tagen bzw. Stunden nach der Diagnose schon ausführlich Auskunft drüber.

    Eigenverantwortung ist die einzig sinnvolle Art mit dieser Erkrankung umzugehen. Zutatenlisten lesen und die Fähigkeit zu erlangen sie zu verstehen kann einem keiner abnehmen. Die Sachinformationen werden hier vom Anbieter klar dargestellt und das ist wichtig. Entscheiden muss jeder selbst. Auch Neubetroffene.

    Das ist halt meine Meinung zum Thema …

  • Habe gestern ca. 50g angeblich “glutenfreie” Bio-Haferflocken im ansonsten glutenfreien Müsli gehabt. Die Folgen heute waren fatal. Es gibt keinen glutenfreien Hafer!

  • Alexander Grinöw sagt:

    Leider mussten wir die gleiche Erfahrung machen. Unsere Tochter hat sich absolut glutenfrei ernährt, ist aber den “Lockungen” des oat meal der Bakery of Main erlegen. Auch wenn die Hersteller den verwendeten Hafer als glutenfrei bezeichnen: er ist es nicht. Knapp zwei Stunden nach dem Genuss einer
    Portion setzten die Bauchkrämpfe ein. Den Rest des schmerzvollen Tages verbrachte sie im Bett.

  • Carmen sagt:

    Dauerhaft positive Erfahrungen!

    Seit 6 Jahren ernähren wir - mein Sohn und ich - uns nun glutenfrei.
    Zwei Jahre streng glutenfrei OHNE “glutenfreie” Haferflocken, bis unsere Blutwerte und Symptome dauerhaft (knapp ein Jahr) absolut gut waren.
    Danach haben wir langsam als glutenfrei ausgewiesenen Hafer in unsere Ernährung mit aufgenommen und unsere Blutwerte weiter kontrollieren lassen. Wir kommen beide nachweislich gut mit dem glutenfreien Hafer zurecht, die Blutwerte blieben stabil und auch Symptome für eine Reaktion auf den Verzehr sind bis heute ausgeblieben.

    Wir haben einfach für uns entschieden es auszuprobieren und eine evtl. schmerzhafte Reaktion zu riskieren.
    Dazu ist denke ich auch jeder selbstverantwortlich in der Lage eben selbst zu entscheiden.
    Allerdings muss man einen Misserfolg dann eben auch hinnehmen, dafür ist kein Hersteller oder Händler verantwortlich.

    Also, nur Mut!
    Ich wünsche euch, dass ihr glutenfreien Hafer genießen könnt!
    Aber sonst, leben wir in unserem Überfluss in unserem Land auch ohne immernoch sehr gut

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